Szene
Kirmes-Girl Victoria: Mein Zuhause ist überall

Geisterbahn, Autoskooter und Lebkuchenherzen – für viele ist der Kirmesbesuch eine aufregende Abwechslung. Für Victoria ist der Rummel ein Stück Heimat.
Der Power Tower auf der Düsseldorfer Rheinkirmes fährt die Fahrgäste langsam auf 66 Meter Höhe. Wenige Sekunden ist es still. Dann rasen die Fahrgäste blitzschnell Richtung Erde. Ihr lautes Kreischen dringt bis ins Kassenhäuschen, wo Victoria Tickets für das Fahrgeschäftan ganz Mutige verkauft.
Eine echte Kirmesfamilie
Das Leben auf dem Kirmesplatz hat in der Familie der 17-Jährigen große Tradition. Eltern, Onkel und Großeltern kennen nichts anderes: Die Schneiders sind immer dort, wo es nach Zuckerwatte und Backfisch riecht. Und Victoria ist mittendrin. „Als Kind einer Kirmesfamilie bin ich sicher anders als normale Teenager. Auf der Kirmes ist ständig Action, sind immer viele Menschen um einen herum. Das prägt.“ Victoria lebt allerdings nicht wie andere Kinder aus Schaustellerfamilien ständig auf dem Rummelplatz. Sie besucht ein Internat in Herford, das ihr ein geregeltes Schulleben ermöglicht. „So kann ich mein Abitur machen, das schaffen nicht viele, die immer unterwegs sind und die Schule dadurch häufiger wechseln“, berichtet sie.
Nomadenleben auf Zeit
In den Ferien und an den Wochenenden reist sie jedoch der Familie immer hinterher – von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, von Stadt zu Stadt. Dann taucht sie in die ihr vertraute bunte, laute Welt ein und lebt wieder das Leben einer Schaustellerin. Ruhige Familiennachmittage sind für den Teenager sehr selten. Fast das ganze Jahr über reisen ihre Eltern Christina und Ewald vom Oktoberfest über den Stoppelmarkt, durch Österreich bis auf den deutschen Weihnachtsmarkt in London. Eine kurze Pause gibt es nur zwischen Weihnachten und der nächsten Kirmes wenige Wochen später. „Dann sind wir alle aber auch schon nervös und wollen wieder loslegen“, lacht Victoria.
Starke Familienbande
Immer gemeinsam unterwegs – da ist ein starker Zusammenhalt wichtig. Schließlich wird zusammen gearbeitet und auf engem Raum gelebt. Die Eltern teilen sich einen Wohnwagen mit dem fünfjährigen Bruder Victorias. Sie selbst lebt mit dem 13-jährigen Bruder zusammen – alles im Schatten des Power Towers. „Heftige Streitereien kommen dann nicht so gut, aber die hat es zum Glück bei uns auch noch nicht gegeben. Wir sind schließlich daran gewöhnt, so eng miteinander zu leben.“
Ausschlafen ist nicht drin
Genauso selbstverständlich ist es für Victoria mitanzupacken. „Meine Ferien sind hier auch manchmal stressig. Denn ich habe schließlich meine Aufgaben.“ Dazu zählen Putzen, Aufräumen und die Kasse. „Ans Mikrofon traue ich mich noch nicht, das macht meistens meine Mutter“, grinst Victoria. Abstriche sind dann auch in der schulfreien Zeit nötig: „Ich würde gerne mal länger schlafen. Der Abend ist meist sehr lang, um 8.30 Uhr geht es aber schon wieder aus dem Bett, dann müssen die Geräte gereinigt werden.“ Umstände, die ihre Freunde auf der Kirmes nur zu gut verstehen. „Ich kenne viele Teenager anderer Schaustellerfamilien, man trifft sich ja immer wieder.“
Abenteuerlustig und wagemutig
Da locken auch die Fahrgeschäfte der anderen Familien. Von Höllenblitz über Wilde Maus bis Airwolf – Victoria probiert alles aus. „Auch, wenn mir dann mal schlecht wird.“ Wie oft Victoria schon den freien Fall auf dem elterlichen Gerät erlebt hat? „Keine Ahnung, das kann ich wirklich nicht mehr zählen“, grinst sie und fügt an: „Es macht aber jedes Mal aufs Neue großen Spaß, die Leute zu beobachten, die hier mitfahren.“
Von Kirmesmüdigkeit keine Spur, auch die Leckereien an den Imbissbuden sind stets eine Sünde wert. „Eine Currywurst könnte ich eigentlich immer essen“, lacht Victoria. Gekocht wird dann aber doch im Wohnwagen. „Meine Mutter bereitet das Essen vor und wir sitzen vor der täglichen Eröffnung immer alle zusammen.“ Ein bisschen Familienidylle im hektischen Kirmesalltag. Dafür muss Zeit sein.
Die Zukunft ist noch offen
Ob es Victoria in Zukunft ganz auf den Rummel zieht, ist ungewiss. „Ich möchte erst noch eine Ausbildung machen, vielleicht ins Ausland gehen.“ Klar ist aber auch: „Ganz ohne die Kirmes kann ich mir mein Leben nicht vorstellen.“ Im Herzen ist sie eben doch mit dem Rummel verbunden.





































oezlem sagt
Gönn dir das IKK Azubi-Paket!:
habe es bis jet ...
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