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Mit wuchtigen Paddelschlägen

28.05.09 0 Kommentare Bewertungen (15) Aufrufe: 2336

Foto: Jörg Strehlau

Foto: Jörg Strehlau

Ein Fluss, ein Boot, ein Paddel – los geht’s. Seit über zehn Jahren bewegt sich Matthias am liebsten im Kanu fort. Sein Sport bringt ihm richtig viel Fun – hat aber auch einige Tücken.

Routiniert steigt Matthias in sein Kanu, stößt sich vom Steg ab – und schlägt das Paddel mit aller Kraft ins warme Wasser. Der 19-Jährige ist leidenschaftlicher Rennkajakfahrer. „Angefangen habe ich mit sieben Jahren“,so der gebürtige Duisburger. Wie viele andere Kanuten kam auch er über private Kontakte mit dem Sport in Berührung. „Außerdem war ich nie soder Fußballfan“, grinst er.

Sechsmal pro Woche zieht Matthias auf dem Rhein-Herne-Kanal seine Bahnen, nur Samstag ist Ruhetag. Vor allem technisch ist er stark, bewegt das gewölbte Paddel im richtigen Winkel durch das Kanalwasser. Das hat ihm sogar schon einen Platz im Zwischenlauf der Deutschen Meisterschaften beschert. In Hamburg verpasste er vor zwei Jahren den Endlauf in seiner Altersklasse nur um eine Winzigkeit – trotzdem ein toller Erfolg.

Kraft, Kondition und Technik

Matthias’ Manko, um national noch weiter vorne mitzumischen: fehlende Kraft.
Denn wer mit dem Rennkajak richtig flott durchs Wasser pflügen will, braucht nicht nur die richtige Technik und eine ausgezeichnete Kondition, sondern auch starke Muskeln. Vor allem die Rückenmuskulatur wird enorm beansprucht. Deshalb heißt der typische Trainingsdreiklang: Technisch sauber paddeln, Hanteln stemmen, Kondition aufbauen.

Eine absolute Grundvoraussetzung für jeden Kanuten: Affinität zumWasser. „Wasserscheue Kanuten gibt es nicht“, glaubt Matthias. Denn vor allem Anfänger fallen häufig aus den kippeligen Kajaks und müssen daher gut schwimmen können. Und auch wer sicher im Kanu über die Wasseroberfläche navigiert, wird ständig nass – durch die von den Paddeln aufgewirbelten Tropfen. „Wir hatten mal eine Anfängerin beim Training“, berichtet Matthias’ Mutter Rita. „Das Mädchen saß schon im Boot, hatte aber solche Angst davor, das rettende Ufer loszulassen und womöglich ins Wasser zu fallen, dass es irgendwann keinen Sinn mehr hatte.“

Gemeinsam mit Ehemann Michael gründete Mutter Rita vor zehn Jahreneinen eigenen Verein, namens Kanu Team 2000 in Oberhausen. „In erster Linie, um Jugendarbeit zu betreiben“, sagt sie. Seitdem trainiert sie Matthias und die anderen Nachwuchspaddler, fährt mit ihnen auch zu Regatten.

Deutsche Kanuten sind „Goldhamster“

Insgesamt sind in Deutschland 114.000 Menschen Mitglieder des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV), verteilt auf 1.300 Vereine. Nicht alle fahren dabei im Rennkajak um die Wette. Die Kanadier treten in der Hocke und mit einem Stechpaddel gegeneinander an, die Wildwasserkanuten fahren in rasantem Tempo durch Slalomparcours, die Freunde des Kanupolos spielen mit Bällen auf Tore. Unter Freizeitsportlern wie Naturfreunden gleichermaßen beliebt sind längere Flussfahrten mit dem Wanderkanu.

Trotzdem: Auf der öffentlichen Bildfläche erscheint der Kanusport meist nur alle vier Jahre. Bei den Olympischen Sommerspielen zählen Deutschlands Kajak-, Kanadier- und Wildwasserpaddler zu den eifrigsten Medaillensammlern. Auch die erfolgreichste deutsche Olympionikin aller Zeiten ist eine Kanutin: Birgit Fischer sammelte von 1980 bis 2004 unglaubliche acht Gold- und vier Silbermedaillen.

Künftige Medaillengewinner wird der Oberhausener Verein Kanu Team2000 wohl nicht hervorbringen. „Mit zehn Jahren habe ich auch immer gesagt: ‚Ich will zu Olympia’“, erinnert sich Matthias. Aber dieser Traum sei mittlerweile ausgeträumt, denn dafür müsste er noch viel härter arbeiten, wesentlich mehr Zeit ins Training stecken.

Wettkampf und Entspannung

Zwar spielen Wettbewerb und Leistungsbereitschaft für ihn eine große Rolle, aber noch wichtiger sind Zusammenhalt und Atmosphäre im Verein sowie Spaß am Sport. Wenn die Oberhausener auf dem starkfrequentierten Rhein-Herne-Kanal hingegen Kanuten größerer Vereine begegnen, „grüßen die zum Teil nicht mal“, sagt Matthias, „noch nicht einmal die Trainer.“ Normalerweise ist in solchen Fällen ein seemännisches Ahoi üblich. „Vielleicht wird den Jungen dieses Konkurrenzdenken von den Trainern von klein auf eingeimpft“, spekuliert Matthias’ Mutter.

Mit der Rekrutierung von Nachwuchs aber tun sich große Kanuklubs genauso schwer wie kleinere. Dabei sind die finanziellen Aufwendungen für jeden Einzelnen überschaubar. So kostet die Mitgliedschaft im KanuTeam 2000 alle 28 Mitglieder 13 Euro pro Monat. Boote, Paddel und Schwimmwesten werden dabei vom Verein gestellt. Niemand muss also größere Summen investieren, um mit eigenem Kajak und Paddel in Seestechen zu können.

Für Matthias jedenfalls ist und bleibt der Kanusport sein größtes Hobby. Schließlich mache nicht nur der Wettkampf Spaß, auch sei er „gut zumStressabbau. Wenn ich mal einen schweren Tag hatte, bin ich in meinem Kanu alleine und kann ein bisschen nachdenken.“ Ein sportliches Ziel hat er aber auch vor Augen. Bei den nordrhein-westfälischen Landesmeisterschaften will er unter die besten drei fahren.


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